Rede des Bürgermeisters Herr Sieghart Friz zur Ehrenmalfeier am 23. November 2025
Sehr geehrte Anwesende,
vor über 80 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende.
Und mit ihm Tod, Vertreibung, unendliches Leid und Zerstörungen von Hab und Gut. Aber auch Wunden, die sich damals in die Seelen der Menschen eingebrannt haben. Seither dürfen wir in unserem Land in Frieden und Freiheit leben – ein großes Privileg.
Wissen wir dies auch zu schätzen?
Es gibt nur noch wenige lebende Menschen, die sich an diese furchtbare Zeit erinnern können.
Umso wichtiger ist es für uns – also alle anderen, die diese Zeit nur aus „Erzählungen“ oder aus den Geschichtsbüchern kennen – uns mit der Geschichte zu befassen.
Denn nur wer sich mit der Geschichte beschäftigt und auseinandersetzt, kann sie auch verstehen.
Und nur wer Geschichte versteht, kann die richtigen Schlüsse für die Gegenwart ziehen.
Und die Zukunft fängt in der Gegenwart an. Da die junge Generation unsere Zukunft ist, sind Eltern, Verwandte, Freunde, aber auch Kirchen, Schulen, Vereine sowie alle staatlichen Ebenen gefordert, eine auf geschichtlichen Fakten und sachlichen Argumenten gegründete Wissensvermittlung zu leisten.
In Zeiten von Fake News, Hass und Mobbing im Netz und gewollter sowie akzeptierter Oberflächlichkeit ist dies eine große Herausforderung für alle Verantwortlichen.
Aber es gibt keine Alternative hierzu.
Vorurteilsfreie geschichtliche Wissensvermittlung ist die Voraussetzung, demokratische Abläufe und Institutionen nicht nur zu verstehen, sondern diese auch aus innerer Überzeugung zu leben.
Wenn wir die Dinge allerdings „einfach so laufen lassen“, dann werden Verschwörungstheorien und diejenigen, welche am lautesten „brüllen“ – ohne ein sachliches Fundament und ohne eine geschichtliche Berechtigung – die Oberhand gewinnen.
Was wiederum die politischen Ränder – gleich welcher Seite – in unserer Gesellschaft stärkt und das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Zusammenstehen in schwierigen Zeiten mindert.
Die Demokratie und unser Staatswesen sind uns nicht in die Wiege gelegt worden.
Sie sind vielmehr ein Ergebnis der unheilvollen historischen Entwicklungen von zwei nacheinander stattgefundenen Weltkriegen.
Selbstverständlich ist heutzutage gar nichts.
Bei der Verteidigung unserer demokratischen Errungenschaften ist vielmehr jeder einzelne von uns in seinem direkten privaten und beruflichen Umfeld gefordert.
Wir alle trauern heute am Totensonntag 2025 sowohl um die in diesem Jahr Verstorbenen in unserer Gemeinde, als auch um die Gefallenen sowie Toten beider Weltkriege.
Wir gedenken an dieser Stelle auch den vielen damaligen Heimatvertriebenen.
Manche von Ihnen haben im vergangenen Jahr einen Ihnen anvertrauten und wertvollen Menschen verloren.
Sei es ein Familienangehöriger, ein enger Freund oder Weggefährte. Der Tod hat eine Lücke gerissen. Es ist nichts mehr so wie bisher.
Doch die Erinnerung und die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit – sie bleibt nicht nur, sondern wird in Zukunft immer wichtiger.
So wünsche ich allen Hinterbliebenen von Herzen die notwendige Kraft, um über den Schmerz und die Trauer hinwegzukommen.
Und uns allen in unserer Gemeinde Unterensingen und unserem Land, wünsche ich an dieser Stelle zum letzten Mal nach 32 Jahren hier am Ehrenmal ein auf dem christlichen Werteverständnis, Respekt und Anerkennung gegründetes Miteinander in Frieden und Freiheit.
Es gilt das gesprochene Wort.


